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Chancen statt Zukunftsängste

“Wie weise von der Regierung, dass sie den Geschichtsunterricht schon vor fünfzehn Jahren abgeschafft und durch den Zukunftsunterricht ersetzt hat.”

So schreibt der Autor Marc-Uwe Kling in seinem Roman “QualityLand” (1) und malt das düstere Bild einer Gesellschaft voller Einstufungen, Bewertungen und Alltagsüberwachung. Eine Welt, die sich niemand wünschen kann und die dennoch nicht allzu weit entfernt ist, wie beispielsweise die Einführung von Chinas digitalem Punktesystem im letzten Jahr zeigt.

Das Romanzitat lässt zudem an die derzeit herrschende Debatte um zeitgemäßen Unterricht und das als veraltet geltende Schulsystem denken. Um den Jugendlichen Unterrichtsinhalte bieten zu können, die sie tatsächlich auf die Herausforderungen in ihrer Zukunft vorbereiten, engagieren sich bereits viele Lehrer*innen und Initiativen. Denn es schreien nicht zuletzt die Schlagzeilen der renommierten Tageszeitungen von den Dächern, dass es viele Berufsbilder in Zukunft nicht mehr geben wird.

Doch werden diese Themen in der Schule tatsächlich behandelt? Im Hessischen Lehrplan für den Geschichtsunterricht an der Gymnasialen Oberstufe steht beispielsweise: “Die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Beschäftigung mit historischen Inhalten und Fragestellungen einsehen, dass vergangenes Geschehen mit ihrer Gegenwart direkt oder indirekt zusammenhängt, sich auf ihr Leben auswirkt und Bedeutung für ihre Zukunft hat. Sie sollen zu unterscheiden lernen zwischen dem Versuch, vergangenes Geschehen in seiner Zeit zu verstehen, und der Aufgabe, es aus der Sicht der Gegenwart zu beurteilen.”

Auch in den Lehrplänen der anderen Bundesländer lassen sich entsprechende Passagen zum Thema Zukunft wie “Das 20. Jahrhundert und die Herausforderungen der Zukunft” (Gemeinschaftskunde, Rheinland-Pfalz) oder “Zukunft von Arbeit und Beruf in einer sich verändernden Industrie-, Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft” (Politik/Wirtschaft, Nordrhein-Westfalen) finden. Wir können also davon ausgehen, dass die Perspektiven der Schüler*innen allen am Herzen liegen.

Doch wie nah sind diese Unterrichtsthemen wirklich an der Lebensrealität der Jugendlichen? Lassen sich die Inhalte aus den Lehrplänen auf die persönlichen Wege der Schüler*innen in der Gesellschaft übertragen, wie im hessischen Beispiel angedacht?

Sicher ist: Das Thema „Zukunftsangst“ nimmt im Alltag der Schüler*innen viel Platz ein. Gerade im Online-Kontext sind die Unsicherheiten und Bedenken Dauerthema bei den 10 bis 18jährigen. Und auch bei der Entwicklung unserer Toolboxen haben die Schüler*innen das Thema selbstständig gewählt.

Erst im letzten Jahr gab der Deutsche Jugendinstitut e.V. eine Studie mit dem Namen “Was kommt nach der Schule? Wie sich Jugendliche mit Hauptschulbildung auf den Übergang in die Ausbildung vorbereiten” heraus, die zeigte, dass fast jeder zweite Hauptschüler unter Zukunftsängsten leidet. Die Studienleiterin Birgit Reißig im Interview dem Spiegel auf die Frage nach den größten Problemen der Schüler*innen:

Diese diffuse Unsicherheit: Die meisten bedrückt es sehr, darüber nachzudenken, was später einmal aus ihnen wird. 40 Prozent der Schüler und 54 Prozent der Schülerinnen treiben Sorgen um die berufliche Zukunft um.

Spätestens ab der sechsten Klasse steht für die Meisten die erste große Entscheidung mit dem Übergang zur Gesamtschule oder zum Gymnasium an. Oft haben die Erwachsenen, welche das jeweilige Kind umgeben eine klare Meinung zu dieser Entscheidung während fürs Kind der Perspektivenstress beginnt. Danach kommen wichtige Praktika, der übliche Notenstress und die Angst vor der nächsten Zeugnisausgabe. Selten geht der Blick über den Tellerrand der Schulzeit hinaus in die Zeit nach dem Abschluss, wie sich im Gespräch mit den Teilnehmer*innen unserer Projekttage herausgestellt hat.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch in den YouTube-VLogs das Thema Zukunftsangst ein präsentes Thema bei jungen Influencer*innen ist. Dennoch werden auch hier die Ratschläge nicht viel konkreter als

Wenn ihr an irgendetwas glaubt, setzt euch dafür ein und macht es einfach.

bei Diana zur Löwen oder

Lasst euch von Leuten in eurem Umfeld sagen, als was sie euch sehen. Denkt nicht zuerst an das Geld, sondern an die Leidenschaft.

auf dem Kanal von Sonny Loops. Zwar gehen die Vorbilder vieler Jugendlicher auf ihre eigenen Geschichten ein und machen Mut auch ungewöhnliche Wege zu gehen, es fehlen jedoch die tatsächlichen Werkzeuge und Methoden, um zu derlei Erkenntnissen über sich selbst zu gelangen.

Doch wie können junge Menschen ihre Talente und Leidenschaften entdecken und daraus eine berufliche Perspektiven für sich selbst entwickeln? Eine große Frage, auf die es keine einzig wahre Antwort gibt. Aber mit den Baut Eure Zukunft Toolboxen haben wir einen Hebel und passende Werkzeuge gefunden, die Schüler*innen auf ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben über den Schulunterricht hinaus begleiten können.

Durch das Erfahren von Selbstwirksamkeit und Kreativität können die Toolboxen Jugendliche soweit auf ihre Rolle in der Gesellschaft von Morgen vorbereiten, dass sie nicht ängstlich, sondern motiviert und zuversichtlich auf die Zeit nach ihrem Schulabschluss schauen. Soft-Skills wie Flexibilität und Teamfähigkeit sind dafür wohl bedeutsamer als bloßer Wissenserwerb. Wenn wir es schaffen, dass Schüler*innen ihre individuellen Qualitäten und Zukunftschancen erkennen, dann haben wir im Design Thinking Prozess mit unseren Materialien etwas erreicht, dass ihnen keiner mehr nehmen kann.


Quellen:

(1) Kling, Marc-Uwe: Qualityland. Auflage 4., Berlin: Ullstein 2017.

Der Bundeswettbewerb 2019
Interview mit Marek Fink