Tennispass

Projekt

Tennispass

A. Der Projektansatz

Sport ist neben Musik und Kunst DAS verbindende Element der jungen Leute beider Länder. Sowohl die Senegal-AG des TRG als auch der Deutschclub in Kaolack haben festgestellt, dass das Freizeitangebot in Senegal / aber auch in Deutschland sehr “fußballlastig” ist und dass Mädchen im Grunde genommen wenig “Spielräume” haben. Die Projektgruppe (mehrheitlich aus Mädchen bestehend) wollte daran etwas ändern und gemeinsam die Sportart Tennis (damals v.a. durch Angelique Kerber wieder in den Medien) entdecken. Tennis setzt gemeinsames Lernen voraus, fördert (non-)verbale Kommunikation und ist sehr aktivierend.

Das vor im Mai 2015 in Senegal begonnene Projekt “Junior Lehrer” (ältere Schüler helfen jüngeren Schülern bei den Hausaufgaben) war hier von zentraler Bedeutung. Einige Junior-Lehrer sind im Deutschclub und sie wollten Tennis gerne in ihr Angebot aufnehmen. Ihr Wunsch bestand darin, ein kleines Trainingsprogramm zu entwickeln, bei dem Kinder aus ihrem Viertel in wenigen Stunden Tennis lernen und anwenden können. Die TRG-Schüler fanden diese Idee klasse und sofort dafür, ein solches Lernprogramm für die Integration von z.B. Geflüchteten am TRG / in Osterode zu nutzen. Der Mehrgewinn ist für beide Seiten erheblich: Senegalesen und Deutsche blicken über den Tellerrand, sie werden zu Teamern / Vorbildern für andere, gestalten in ihrem Umfeld, setzen sich mit der Rolle der Frau hier wie dort auseinander und werden im Nachgang an die Reise in der Schule zu Multiplikatoren. Tennis soll also interkulturelles Lernen zwischen den Projektteilnehmern anregen, ein Arbeiten auf Augenhöhe ermöglichen und die Teilhabe von Mädchen vorantreiben. Zudem soll es die Integration Benachteiligter hier wie dort ermöglichen.

B. Die Beteiligten

Die Jugendlichen treffen sich regelmäßig in Osterode bzw. in Kaolack (s.o.), sie stehen via Mail, Telefon und v.a. whats app in regelmäßigem Kontakt. Kurzum: Zwischen den beiden Schulen sind Brücken der Freundschaft und Menschlichkeit entstanden, die man kaum beschreiben kann, aber erleben sollte.

Der Deutschclub in Kaolack und die Senegal-AG am TRG sind die Motoren dieser Partnerschaft. Beide “Projektinstitutionen” tauschen sich regelmäßig aus und so ist die Idee für das aktuelle Begegnungsthema entstanden. (s.o.) Die Schüler haben sich mit Rahmenbedingungen (Regeln, Equipment, Platz auf dem Schulhof) beschäftigt und Benachteiligte als Zielgruppe für das Projektergebnis “Tennis in 11 Übungen (kennen)lernen” benannt. Die Zusammenarbeit ist absolut partnerschaftlich, keiner der Teilnehmenden hatte übermäßige Vorkenntnisse im Tennis, daher waren externe Partner wie der Tennisverein, -verband von großer Bedeutung für das Gelingen des Vorhabens. Es geht den Schülern nicht um eine perfekte Ausübung dieses Sports, sondern vielmehr darum, Fußball zu ergänzen und auch Mädchen an Freizeitaktivitäten teilhaben zu lassen. In Kaolack wird die Platzpflege sowie das Material (Schläger, Bälle) als Herausforderung gesehen, daher haben AG und Deutschclub erfolgreich gemeinsam agiert und im näheren Umfeld beider Schulen Materialien (Schläger, Bälle, ein Tennisnetz und -feld auf dem Schulhof in Kaolack) organisiert. Ebenso war der Programmablauf ein sehr ambitioniertes Unterfangen. Zur Zusammensetzung der AG (geleitet von Herrn Rusteberg) sowie vom Deutschclub (geleitet von Herrn Diouf): Dort sind jeweils SchülerInnen der gesamten Schule aktiv. Während der Deutschclub auch an das Erlernen der deutschen Sprache gekoppelt ist, nehmen an der Senegal-AG mittlerweile 27 SchülerInnen aus allen Jahrgangsstufen und Klassen (von Jg. 6-12) teil, teils auch ohne Französischkenntnisse. Aktuell ist besonders der Jg. 9 sehr stark vertreten, diese Gruppe hat im letzten Jahr ein dt.-senegal. Lied mit den Kaolackern entwickelt und ist die primäre Zielgruppe der von ihnen selbst entwickelten Idee “Tennis- Begegnung 2017”. Diese SchülerInnen sind sehr interessiert an interkulturellen Inhalten.

Was wurde in den zwei Wochen erreicht?

Die 18köpfige Schülergruppe entwickelte vom 14.-27.08.17 selbstständig einen dt.-senegal. Tennispass (11 Übungen). Der Tennispass ist mit 4 Schlägern, 10 Bällen und einem Seil o.ä. nahezu überall spielbar.

Bildung und Begegnungen sind unserer Meinung nach DIE Schlüssel zu Weltoffenheit, Toleranz, Gleichheit und einer „Eine Welt-Haltung“.

-> Wir lernen voneinander und miteinander.

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. Ihren Wert erfährt man oft nicht im Augenblick der Begegnung, sondern in der Zeit danach.“

C. Bezug zur Agenda 2030

Im Grunde sind zwei Kernziele der sustainable development goals federführend für diese Projektbegegnung:

Zunächst goal 5 – gender equality: Der Schwerpunkt liegt ganz bewusst in der Förderung der Mädchenpartizipation, die sowohl in Senegal als auch hier in bestimmten Domänen (z.B. Schulfreizeit) noch nicht zufriedenstellend ist. Zudem sollen auch Benachteiligte (in Senegal: Mädchen und Straßenkinder, in Deutschland: Flüchtlinge sowie Jugendliche, die keine Mittel haben, in Sportvereinen tätig zu sein oder über den Sport in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden sollen) über den Sport in die Gesellschaft integriert werden. Darüber hinaus steht goal 4 – quality-education im Zentrum dieses Projektes: Die Junior-Lehrer aus Kaolack möchten ihren Landsleuten Bildung und Sport ermöglichen, zumal letzteres wieder Konzentrationsfähigkeit, Ausgeglichensein und Zufriedenheit fördert. Mit anderen Worten: Sport befreit Körper und Seele, schafft Glücksmomente und bietet die Basis für diverse weitere Lernprozesse. Die dt.-senegal. Projektteilnehmer haben sich während der Begegnung zu “Tennis-Teamern” entwickelt, ein eigenes Zertifikat entwickelt und Lehrvideos aufgenommen. Seit September sind sie als „Junior-Lehrer“ aktiv und ermöglichen anderen die Teilnahme am Tennispass.

Aus Lehrersicht: Man kann sich zwischen A und B nicht mehr wünschen, als dass A und B sich begegnen, ein Projekt entwickeln und dies hinterher in ihrem jeweiligen Umfeld multiplizieren. Aus „ich + du“ ist ein WIR geworden, chapeau an die Akteure!

Das mulitplikatorische Potenzial der dt. und senegal. Teilnehmer ist immens: Die Junior-Lehrer aus Kaolack werden den Tennispass in ihre allwöchentliche Nachhilfemaßnahme integrieren, eine Vernetzung mit den Sportlehrern anstreben sowie andere Junior Lehrer an ihrer Schule zur Partizipation aufrufen. Im Pausenangebot werden sie vor allem Mädchen (sowohl aus ihrer Schule als auch von der Straße) zur Teilhabe animieren und auch mit einer NGO aus Kaolack zusammenarbeiten, die sich bewusst für die Rechte von Frauen einsetzt (APROFES – Association pour la Promotion de la femme sénégalaise). In Osterode soll der Tennispass in das schuleigene Übergangskonzept für den 5. Jahrgang aufgenommen, auf einer Fachkonferenz Sport vorgeführt und regelmäßig auch in Kooperation mit dem Verein „Willkommen in Osterode“ durchgeführt werden. Grundsätzlich reifen die jungen “Trainer” durch diese Aufgabe, der Mehrwert für die persönliche Entwicklung ist nicht hoch genug einzuschätzen. Neben der Weitergabe an Erfahrungen an ihr schulisches und außerschulisches Umfeld ist auch zu betonen, dass die Gruppe sich über die Erfahrungen mit dem selbst entwickelten “Spielkonzept” nach wie vor austauscht (via Mail, whats app) und Rückschlüsse bzw. Veränderungen (z.B. andere Bälle, mehr Zeit, eine 4. Kategorie nach Bronze) vornimmt. Das Projektergebnis wird als kleiner Film multipliziert, ggf. entsteht auch eine Kooperation mit dem Niedersächsischen Tennisverband oder gar Deutschen Tennis Bund.

Zur Zielerreichung

Diese Tennisbegegnung hat die deutschen SchülerInnen und ihre senegalesischen Gäste erfahren lassen, dass sie sich trotz kultureller und sprachlicher Unterschiede sehr gut verständigen können, voneinander lernen und Zukunftsperspektiven entwickeln können. Das Leben in den Familien war geprägt durch die Freude daran, etwas gemeinsam zu erleben. Der sportliche Bereich des Tennis hat diese Erfahrungen, diesen Lernbereich sehr gut untermauert. Lernen und Spaß waren dabei in gleicher Weise beteiligt.

Gender equality, hier die Mädchenpartizipation, gelang ohne weiteres Eingreifen. Die Mädchen waren sehr aktiv in der Spielbeteiligung und in der Erarbeitung eines Spiel- und Trainingskonzepts. Sie haben es schließlich selbst erprobt mit Vertretern der Schule und der beteiligten Vereine. So hat sich hier schon jetzt ein Teilziel von gender-education erfüllt: Sie haben ausprobiert, anderen ihre erarbeiteten Übungsphasen zu vermitteln, also das getestet, was sie im Senegal und in Deutschland als ‘Tennis-Teamer“ leisten und seit August 2017 bereits fortführen.

Schüler*innen

Emilie, Elena, Caro, Emelie

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#Peter
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